Im Rückblick können wir uns auf die Schultern klopfen: nicht nur ist Deutschland mit einer fulminanten Stimmenzahl in das Welterbekomitee gewählt worden - in dem wir zuletzt vor 12 Jahren vertreten waren! Nein, es ist auch gelungen, ein umfangreiches Reformpaket, das die Modernisierung der UNESCO birgt, in der Generalkonferenz zu verabschieden. Außerdem: die UNESCO weist nun 195 Mitglieder auf, d.h. zwei neue Mitglieder: der Südsudan wurde aufgenommen und wenig später Palästina - nach turbulenten Sitzungen, streitigen Abstimmungen und nächtelangen Diskussionen. Sowohl in den Exekutivräten 2011, im Menschenrechtsausschuß CR als auch in der Generalkonferenz durfte Deutschland als Vizepräsidentschaft agieren, und hat dies voll Freude getan. Deutschland präsidiert auch die Vetragsstaatenkonferenz zu einem völkerrechtlich wichtigen Abkommen zum Kulturgüterschutz.
In allen Kommissionen traten die verschiedenen deutschen Partner geschlossen auf und zogen an einem Strang - daher haben wir viel erreichen können: so die Wahl in das zwischenstaatliche Meereskomitee IOC und in das das zwischenstaatliche, internationale Wasserprogramm IHP. Wir waren weiter im Bildungs- und im Sportkomitee aktiv und versuchen, die Weltsportministerkonferenz für Berlin zu gewinnen. Bitte Daumen halten!
Deutschland hat 2011 große Anerkennung für die 40. Jubiläumskonferenz zum Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ in Dresden erhalten. Dort, sowie Ende Juni in Berlin, war die UNESCO Generaldirektorin Irina Bukowa offiziell zu Gast. Die Feierlichkeiten zum Beginn des 60. Jahres der Mitgliedschaft Deutschlands in der UNESCO wurden mit einem offiziellen Besuch der Generaldirektorin in Deutschland, Empfang beim Bundespräsidenten und im Auswärtigen Amt begangen. Ein großer Dank an unsere Partner in Berlin und Bonn, im AA, in den Bundesministerien und vor allem der Deutschen UNESCO Kommission. Im Herbst verabschiedeten wir Professor Hüfner in den wohlverdienten Ruhestand: er hat eine Ära lang: 40 Jahre ehrenamtlich und engagiert Deutschland in UNESCO Fragen und im MR-Ausschuß beraten. Unseren großen Dank brachte der Bundespräsident mit der Verleihung des höchstmöglichen Ordens im Sommer zum Ausdruck.
Leider führte die Aufnahme Palästinas dazu, dass Israel seine Mitgliedsbeiträge für 2012 und die USA ihre für 2012 und gar für das zum Zeitpunkt der Beschlußfassung bereits fast abgelaufene Jahr 2011 eingefroren haben. Ein altes Gesetz verlangte das. Das stellt uns nun vor große Probleme: wir müssen versuchen, weiter zu kürzen, weiter zu fokussieren und den Gürtel noch enger zu schnallen, als es das Reformpaket ohnehin erforderte. Keine einfache Aufgabe! Neueinstellungen in der UNESCO sind ausgesetzt, auch alle Beförderungen, die Zahl der Reisen ist auf ein Minimum reduziert. Die engagierten Mitgliedsstaaten bemühen sich, mit frühen Überweisungen ihrer Beiträge zu helfen, selbst ein Spendenkonto wurde eingerichtet.
Aufgrund dessen haben wir den 189. Exekutivrat schon für Februar terminiert. Er wird sich mit den Folgen der Krise und der Umsetzung der Reformen befassen müssen. Die zukünftige Ausrichtung der UNESCO steht auf dem Spiel. Dass Deutschland nun in das Welterbekomitee der UNESCO gewählt worden ist, bedeutet für die Vertretung viel Arbeit, gibt uns aber auch die Möglichkeit, unsere vielfältigen Erfahrungen in Pflege und Management von Welterbestätten einzubringen. Auch hier ist eine Reform im Gange, das Welterbezentrum platzt aus allen Nähten, und, da Aufwuchs nicht möglich ist, drängen viele Mitgliedsstaaten auf eine deutliche Beschränkung der Zahl von Neueinschreibungen von Stätten. Wie sich das auf Deutschland auswirkt? Man weiß es nicht, wir haben ja bereits sehr viele. Die nächste Sitzung des Welterbekomitees findet dieses Jahr Ende Juni/Anfang Juli in St. Petersburg statt und wird wieder spannend werden.